28.03.2023
3. Mannschaft 03/2023
1. Rheinland-Pfalz Liga

SC Pirmasens 1912 – SV Koblenz III 5½:2½

Der Gastgeschenke zu viele
Am 26.03.2023 stand unser Auswärtsspiel der 8. Runde gegen den SC Pirmasens I an. Nach der weiten Anfahrt mussten wir bei der Aufstellung unseres Gegners feststellen, dass dieser bis auf eine Position seine beste Formation aufgeboten hatte. Da wir ohne Unterstützung unserer Bundesliga-Reserve antreten mussten, waren wir an allen Brettern mit nominell 100-400 DWZ-Punkten hinten dran.

Das erste Geschenk gab es gleich zu Anfang. Jonas stellte nach einem Finger-Fehler im dritten Zug eine Leichtfigur ein, 0:1. Nun aber sollten sich interessante und recht sauber gespielte Partien ergeben, bei denen der Spielstärkeunterschied zunächst nicht erkennbar war.

Niclas an Brett 8 spielte mit Schwarz eine stets ausgewogene und nie gefährdete Partie. Seinem Gegner gelang es zwar, einen etwas vorgeschobenen, aktiven Bauernkeil im Zentrum zu bilden, dem jedoch eine stabile Bauernverteidigung gegenüber stand. Dieser marginale positionelle Vorteil schwand mit jedem Figurentausch zusehends dahin, sodass man sich am Ende auf ein partiegerechtes Remis einigte. Für Niclas ein Erfolg gegen den 250 DWZ Punkte stärkeren Gegner.

An Brett 7 hatte Elias es mit einem um 450 DWZ-Punkte stärkeren Gegner zu tun. Elias hatte sich mit Weiß eine aktive Mittelspielstellung erarbeitet und sich für einen etwas zu optimistischen Mattangriff mit einem Leichtfigurenopfer entschieden. In den folgenden Zügen gelang es Elias erfahrenem Gegner, dessen Angriffsfiguren von seinem Monarchen fernzuhalten. Nachdem ein Teil der Offiziere abgetauscht worden war, streckte Elias die Waffen, dem materiellen Übergewicht war nichts mehr entgegenzusetzen. ½:2½

Uli hatte sich mit Schwarz an Brett 4 mit dem nominell zweitstärksten Pirmasenser auseinanderzusetzen und sich für eine aktive Variante der Caro-Kann-Verteidigung entschieden, bei welcher er in der Eröffnung die Initiative hatte und das Läuferpaar für sich beanspruchen konnte. Im Mittelspiel gelang es seinem Gegner zwar etwas aktiver zu werden, was aber nach dem zwischenzeitlichen Abtausch mehrerer Figuren und den übrigbleibenden ungleichfarbigen Läufern nicht spielentscheidend war. Remis

An Brett 3 hatte sich Andre mit Weiß spielend mal wieder für eine gegenläufige Rochade entschieden und obgleich er die lange Rochade gewählt hatte, war er es, der seinen Gegner bald mit einem massiven Königsangriff anging. Nachdem er seine Figuren aktiv positioniert und einen Bauern bis g6 vorgebracht hatte war es an der Zeit, zunächst ein Turmopfer auf der h-Linie zu investieren. Kurz darauf folgte ein Damenopfer, welches zur Vermeidung des Matts auch angenommen werden musste. Nun war es aber ein Springer, dem die Ehre zu Teil wurde, den gegnerischen König endgültig zur Strecke zu bringen. Chapeau! Eine sehenswerte Partie. 2:3

Thomas an Brett 2 geriet nach einer nicht ganz sauber gespielten Eröffnung in eine passive Mittelspielstellung, bei der sein Gegner Thomas' löchrige Stellung mit seinem starken Läuferpaar deutlich dominierte. Es war daher nur eine Frage der Zeit bis Thomas seine Dame gegen einen Turm und einen Läufer geben musste. Nun war es jedoch Thomas' Gegner, der die Partie etwas zu unbedarft weiterführte. Nachdem Thomas noch einen Bauern erobern und seinen Springer und Turm sich gegenseitig und die verbliebenen Bauern deckend optimal positionierten konnte, war der gegnerische König abgeschnitten. Die Dame allein konnte gegen Thomas' König nichts mehr ausrichten. Remis

Kay hatte sich mit Schwarz auf eine komplizierte Mittelspielstellung eingelassen, bei der sich im Zentrum sowohl Bauern wie auch Leichtfiguren massiert gegenüberstanden. Nach dem sich der Nebel etwas gelichtet hatte und sich wieder klarere Strukturen herausbildeten, hatte Kay einen gesunden Mehrbauern auf dem Brett. Nun erhielten die Westpfälzer ihr zweites Gastgeschenk, Kay stellte einzügig einen Turm ein. 2½:4½

An Brett 1 hatte Guido es mit dem starken Großmeister Ralf Appel zu tun, d.h. 400 DWZ-Punkte Unterschied. Es sollte dennoch ein zäher Fight werden. Zunächst hatte sich Appel mit einer von Guido sauber vorgetragenen Eröffnung auseinander zu setzen. Guido hatte bis in weite Teile des Mittelspiels die Initiative, auch weil der GM einen Zug aus der von Guido gewählten Variante nicht auf dem Schirm hatte. Appel musste anschließend viel Zeit investieren, um mit einer aufwändigen Umgruppierung eines Springers seine Figuren, bei zwischenzeitlich knapper Zeit, wieder aktiver auszurichten. In dieser Zeit hätte Guido, wie die spätere Analyse zeigte, zweimal Gelegenheit gehabt, mit dem jeweils besten statt nur zweitbesten Zug den kleinen Vorteil zu halten und initiativ zu bleiben. Zum Endspiel hin zeigte Appel dann jedoch, weshalb er seinen Titel trägt. Bei den zum Schluss möglichen Abspielen wäre Guido in nachteilige Enspielstellungen geraten, weshalb er unter einer Respektsbekundung seines Gegners die Parie aufgab.

Ob wir die Begegnung ohne die zwei hergeschenkten Partien offener hätten gestalten können ist natürlich unklar. Zur letzten, zentral ausgespielten Runde wird uns der Weg wieder nach Pirmasens führen. Unsere Gegner werden die Schachfreunde von Schott Mainz II sein. [UBü] ... [weiter]